Also, Freunde, die Amerikaner sind ja bekannt für ihren legendären “Can-Do”-Spirit… oder zumindest glauben sie das ganz fest. Jahrzehntelang wurde ihnen eingetrichtert, dass jede Herausforderung dazu da ist, überwunden zu werden – und zwar mit harter Arbeit, Schweiß und vielleicht ein bisschen Grillsoße. Das ist alles Teil dieses wundervollen Mythos des amerikanischen Individualismus, der irgendwo zwischen Marlboro-Mann und Superhelden-Narrativ liegt.

Politiker und diese schmierigen Selbsthilfe-Gurus – die mit den schreiend weißen Zähnen – erzählen ihren Schäfchen ja gern: „Denkt nicht an Hindernisse, denkt an Möglichkeiten! Denkt nicht ans Scheitern, denkt ans Gewinnen! Und wenn ihr mal zweifelt, einfach laut ‘Yes, I Can!’ rufen und alle Probleme lösen sich in Luft auf.“ Klingt super, oder? Problematisch wird’s erst, wenn man das Ganze mal im Plural sagt.

“Yes We Can” – das war der Slogan von Barack Obama, der 2008 Millionen inspiriert hat, an kollektive Macht, Veränderung und – natürlich – eingängige Sprüche zu glauben. Aber wartet mal kurz. Vor Obama war “Yes We Can”schon längst weltberühmt. Ihr wisst schon, dieser weise politische Visionär… Bob der Baumeister! Ja, bevor Obama das zum Schlachtruf der Hoffnung gemacht hat, war’s der Satz, mit dem ein animierter Bauarbeiter und seine Crew uns beruhigt haben: „Kriegen wir das hin? Jo, wir schaffen das!“ Wer hätte gedacht, dass eine Zeichentrickfigur so politisch wegweisend sein könnte?

Aber halt, das geht noch weiter zurück! “Yes We Can” ist eigentlich nur der amerikanische Cousin von „Sí, se puede“ – dem Slogan der United Farm Workers, die in den 70ern unter Cesar Chavez und Dolores Huerta für Arbeiterrechte gekämpft haben. Damit ist das also nicht nur ein cooler Spruch, sondern tief verwurzelt in der Tradition von Graswurzel-Aktivismus.

Stellt euch mal die Szene vor: Republikaner, Demokraten und Self-Help-Gurus, alle zusammen in einem Chor, der freudig „Yes, I Can“ trällert, als wären sie die Backstreet Boys der Selbstermächtigung. Für Republikaner ist das natürlich das Lied des Individualismus – jeder Mann für sich, alle ziehen sich an den eigenen Stiefelriemen nach oben, auch wenn sie keine Stiefel haben. Für Demokraten? Klar, das ist ein Ruf nach Solidarität und Gemeinschaft. Sie singen „Yes, WE Can“ und wollen sicherstellen, dass kein stiefelloser Kamerad zurückgelassen wird.

Und dann kam Obama, hat das „Yes I Can“ genommen, es in „Yes WE Can“ umgedreht und plötzlich schwappt eine Flut von Hoffnung, Veränderung und gemeinschaftlichem “Wir-schaffen-das” durch die USA. Amerika war überzeugt: Gemeinsam können wir alles schaffen – vom Wirtschaftscrash 2008 reparieren bis hin zu friedlichen Thanksgiving-Dinnern mit der Familie… vielleicht.

Aber halt mal! Die Konservativen hörten Obamas „Yes We Can“ und schrien sofort zurück: „No, YOU Cant!“ Für sie war das Ganze natürlich sozialistischer Kollektiv-Kram. Jeder Cowboy, der was auf sich hält, steht alleine auf seiner Prärie, schüttelt die Faust gegen universelle Krankenversicherungen und brüllt „NO YOU CANT!“. Individuelle Freiheit, Freunde! Positive Gedanken und gemeinschaftliches Handeln sind super… aber nur, wenn’s im eigenen Team bleibt. Macht der Gegner das Gleiche, wird sofort von Manipulation gesprochen.

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