Willkommen in den Vereinigten Staaten von Amerika – ein Land, in dem Selbstbewusstsein so reichlich vorhanden ist wie Fast-Food-Ketten und wo Fachwissen oft eher eine Frage der Meinung als der Qualifikation ist. Während ihr dieses riesige und vielfältige Land durchquert, bereitet euch darauf vor, dem Dunning-Kruger-Effekt in seiner vollen Pracht zu begegnen. Dieses kognitive Phänomen, bei dem Menschen mit begrenztem Wissen oder Können ihre Fähigkeiten überschätzen, ist vielleicht kein solides wissenschaftliches Konzept, aber es macht eure Reise auf jeden Fall unterhaltsamer. In Deutschland hört man auf jemanden mit einem Doktortitel; in den USA reicht ein YouTube-Video. In Amerika ist jeder ein Experte – fragt sie einfach!

Den Dunning-Kruger-Effekt in freier Wildbahn erkennen:

Hier sind einige Warnzeichen dafür, dass ihr auf eine besonders aggressive Form des amerikanischen Dunning-Kruger-Effekts gestoßen seid:

Der “Armchair Quarterback” in der Sportsbar:

Er hat seit der Grundschule nicht mehr an einem organisierten Sport teilgenommen, doch seine Analyse des letzten Spiels ist so detailliert wie die Decke der Sixtinischen Kapelle. Mit einem Bier in der Größe deines Kopfes in der Hand wird er dir erzählen, was er gemacht hätte. Lächeln und nicken hilft.

Der “Economics Expert” in der Schlange bei Starbucks:

Dieser Typ glaubt, dass ein rudimentäres Verständnis von Angebot und Nachfrage ausreicht, um die nationale Schuldenkrise zu lösen. Erwarte tiefschürfende Aussagen zu Zinssätzen – von jemandem, der seit Jahren das Gleiche bestellt, weil ihm die Entscheidung zwischen „Latte“ und „Cappuccino“ zu komplex ist. Aber keine Sorge, in den zwei Minuten Wartezeit wird er dir ausführlich erklären, warum der Euro eigentlich eine schlechte Idee war und wie er persönlich das Problem mit den Immobilienpreisen in Kalifornien beheben würde. Das alles natürlich mit der Autorität eines Mannes, der einmal auf YouTube ein Video über „Österreichische Volkswirtschaftslehre“ gesehen hat. Also, immer schön lächeln und nicken – und hoffen, dass dein Kaffee schneller fertig ist, als er mit seiner Weltrettungstheorie.

Der “Policy Expert” auf Facebook:

Bewaffnet mit einem Gemeinschaftskundekurs aus der Highschool und einem fragwürdigen Bezug zur Realität, hält dieser Tastatur-Krieger Hof in den sozialen Medien. Fakten? Pah! Logik? Wer braucht das, wenn man die Feststelltaste und fest verankerte Meinungen hat, die auf Memes basieren?

Der “Amateur Epidemiologist” im Café:

Während du im lokalen Café deinen Kaffee genießt, hörst du eine hitzige Debatte über die neueste Pandemie. Ein Gast, bewaffnet mit einem Facebook-Artikel und einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein, ist fest davon überzeugt, mehr über Virologie zu wissen als Experten. „Impfstoffe sind doch nur ein Plot der Regierung, um uns alle zu chippen!“ Da hilft nur eins: Deine Brezel genießen und den Blickkontakt vermeiden.

Merkt euch, Nicht-Amerikaner:

Der Dunning-Kruger-Effekt ist keine Krankheit, er ist eher eine kulturelle Eigenart. Die meisten Amerikaner sind wundervolle, freundliche Menschen, auch wenn sie gelegentlich ihre Expertise in Gehirnchirurgie oder Steuerrecht überschätzen. Atme tief durch, kanalisiere deine innere Angela Merkel, und erinnere dich: Manchmal ist die beste Antwort eine hochgezogene Augenbraue und ein gut getimtes „Oh my!“

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