
Falls du noch nicht mit den amerikanischen Feiertagen vertraut bist, stell dir das Ganze als opulentes Buffet vor, bei dem das Hauptgericht Patriotismus ist und die Beilage – ausnahmslos – Essen. Um dir zu helfen, den wahren Geist jedes einzelnen Feiertags zu verstehen, hier ein kurzer und absolut unvoreingenommener Überblick darüber, wie der amerikanische Kalender funktioniert. Spoiler: Wenn du dies in der Hoffnung auf Maidemonstrationen und Arbeitersolidarität liest, bereite dich darauf vor, Slogans gegen Barbecue-Soße einzutauschen.
Amerikaner sind sich oft nicht einig, welche Feiertage die wichtigsten sind, aber eines ist sicher: Essen, Explosionen und freie Tage stehen ganz oben auf der Liste. Für deutsche Leser, die versuchen, sich im amerikanischen Feiertagswirrwarr zurechtzufinden, hier eine Liste der bekanntesten Anlässe – nicht nach kultureller Bedeutung, sondern nach Bankenschließungen, Kalorienaufnahme und Umsatz im Einzelhandel.
Weihnachten (25. Dezember): Das säkulare Jesus-Spektakel
Weihnachten in den USA hat sich von einem christlichen Fest in einen landesweiten Geschenke-Marathon mit aufblasbaren Rentieren und aggressiv fröhlicher Musik entwickelt. Es geht weniger um die Geburt Christi und mehr um die Geburt der Kreditkartenschulden. Familien treffen sich, um Geschenke und passiv-aggressive Kommentare über zähen Schinkenbraten auszutauschen.
Thanksgiving (vierter Donnerstag im November): Truthahn und Stau
Thanksgiving ist ein Fest der Dankbarkeit, das einzigartig in den USA ist – ausgedrückt durch den Verzehr von Truthahn bis zum Fresskoma, gefolgt vom Kampf um Flachbildfernseher beim Black Friday Sale. Für Deutsche mag es schwer zu verstehen sein, warum ein ganzer Tag dem Truthahn gewidmet wird – einem Vogel, der so fade schmeckt, dass er nur mit Preiselbeersoße als Beilage eine Bedeutung behält.
Unabhängigkeitstag (4. Juli): Freiheit und Feuerwerk
An diesem Tag feiern die Amerikaner ihre Unabhängigkeit von der britischen Teesteuer, indem sie Würstchen grillen, Flaggen schwenken und so viele Feuerwerkskörper zünden, dass jeder Hund im Umkreis von zehn Meilen in Therapie muss. Für Deutsche, die eher ruhige Nationalfeiertage gewohnt sind, könnte der Lärmpegel mit dem Oktoberfest vergleichbar sein – nur mit weniger Lederhosen und mehr Hotdogs.
Memorial Day (letzter Montag im Mai): Den Gefallenen gedenken, den Grill anwerfen
Ursprünglich ein ernster Gedenktag für gefallene Soldaten, ist der Memorial Day heute auch der inoffizielle Beginn des Sommers. Die Amerikaner zeigen ihren Respekt, indem sie Matratzen im Sonderangebot kaufen, Barbecues veranstalten und patriotische Tanktops tragen, die in 47 anderen Ländern verboten sind.
Labor Day (erster Montag im September): Arbeiter aller Länder, grillt!
Anders als der europäische Maifeiertag der Solidarität der Arbeitnehmer ist der Labor Day in den USA eine Gelegenheit, das Ende des Sommers mit mehr Grillpartys und einer gewissen Verwirrung darüber zu feiern, was Gewerkschaften eigentlich tun. Deutsche könnten von diesem lockeren Ansatz etwas irritiert sein.
Weitere Ehrentage
- Neujahrstag (1. Januar): Eine Zeit für Champagner, Vorsätze, die niemand einhält, und die Illusion, dass 2025 „Ihr Jahr“ wird.
- Martin Luther King Jr. Day (dritter Montag im Januar): Ein Tag, um Bürgerrechte und soziale Gerechtigkeit zu feiern, der keine aufregenden Traditionen hat – meistens Schulversammlungen und ernste Reden. Ein paar Südstaaten feiern ihn allerdings zusammen mit dem „Robert E. Lee Day“ zum Gedenken an den General der Konföderierten und die verlorene Sache der weißen Vorherrschaft, was fast schon eine Parodie auf sich selbst ist.
- Groundhog Day (2. Februar): Ein Murmeltier sagt das Wetter voraus. Wenn es seinen Schatten sieht, dauert der Winter noch sechs Wochen. Wenn nicht, kommt der Frühling früher. Für Deutsche mag es absurd sein, von einem Nagetier Wetterdaten abzuleiten. Amerikaner nennen das einfach „Tradition“.
- Presidents’ Day (dritter Montag im Februar): Theoretisch eine Feier für George Washington und Abraham Lincoln. In der Praxis ein Ausverkauf von Matratzen und Haushaltsgeräten. Wer zu Ehren des Gründervaters schon immer mal eine Spülmaschine mit 40 Prozent Rabatt kaufen wollte, ist am Presidents’ Day genau richtig.
- Halloween (31. Oktober): Ein Tag, an dem sich Erwachsene verkleiden, um ihre „innere Kindheit“ wiederzuentdecken, und Kinder sich mit kostenlosen Süßigkeiten vollstopfen, um süchtig nach Zucker zu werden.
Besondere Tage: Nationaler Tag des … [Thema frei wählbar]
Amerikanische Gesetzgeber, die gerade nicht über Milliardenhaushalte debattieren, rufen gerne Tage wie den „National Donut Day“ oder den „National Coffee Day“ aus. An diesen Tagen muss man nichts weiter tun, als den entsprechenden Artikel zu kaufen und ein Foto davon auf Instagram zu posten, was Deutsche zu der Frage verleitet, ob die amerikanische Kultur nicht eigentlich nur eine ausgeklügelte Verkaufskampagne ist. (Spoiler: Ist sie.)
Ein Tipp für Deutsche
Während Feiertage wie Ostern und Hanukkah für bestimmte Gemeinschaften eine tiefe Bedeutung haben, ist das gemeinsame Thema der meisten amerikanischen Feiertage einfach: Essen, Einkaufen und Feuerwerk. Deutsche, die an diesen Feiertagen düstere Traditionen oder ausgelassene Feiern erwarten, finden sich stattdessen umgeben von Aufläufen, zu lange gebratenem Fleisch und Nachbarn, die stolz illegale Feuerwerkskörper zünden.
Am besten packt man Hosen mit Gummizug, Ohrstöpsel und eine gute Portion Humor ein. Willkommen in Amerika, dem Land, wo jeder Feiertag nur eine Ausrede ist, um mehr Kuchen zu essen.



