1. Zählen mit den Fingern – oder: Wie man bei Starbucks erschossen wird

Amerika: „Eins“ ist der Zeigefinger. Dann Mittel-, Ring-, kleiner Finger. Der Daumen? Der kriegt eh zu viel Aufmerksamkeit in westlichen Demokratien.

Deutschland: „Eins“ ist natürlich der Daumen. Weil wir effizient sind. Und weil Tarantino’s Inglourious Basterds uns endlich bestätigt hat: Wer in Bayern drei Biere mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger bestellt, bekommt eine ganz andere Sorte „Shot“.

2. Das „OK“-Zeichen – Spoiler: Nichts ist OK.

In den USA: Bedeutet „alles klar“, „gut gemacht“ oder „ich habe die Fernbedienung gefunden“. Aber: Einige Alt-Right-Trolle haben das Symbol gekapert – und plötzlich soll das ein „W“ und „P“ für „White Power“ darstellen. Wenn man das kritisiert, sagen sie natürlich: „Was? Das ist doch nur das OK-Zeichen!“ – Klar. Und Putin ist ein moderner Menschenfreund.

3. Finger kreuzen – oder: Lügen mit Stil

In Amerika: Finger vorne gekreuzt = Glück wünschen.

Finger hinter dem Rücken gekreuzt = „Ich schwöre… dass ich gerade lüge.“

4. Jemanden herbeiwinken:

Amerikanisch: Den Zeigefinger mit der Handfläche nach oben zu sich selbst biegen, um jemanden einzuladen, „herzukommen“. Diese Geste kann neutral sein, aber wenn sie von jemandem offensichtlich verärgert ist, kann sie als unhöflich oder rüde empfunden werden, da sie oft verwendet wird, um unartige Kinder herbeizuwinken. Wenn man jemanden näherkommen lassen möchte, ist ein dezentes Nicken oder eine verbale Einladung sicherer.

5. Mit dem Finger zeigen – Jetzt wird’s persönlich

In Amerika: Ganz normal. „Da drüben ist die Toilette.“

Aber wenn der Finger zu nah kommt oder sogar auf der Brust landet, wird’s unangenehm.

In Deutschland? Da zeigt man mit der ganzen Hand – oder mit Blicken. Oder noch besser: Man sagt einfach gar nichts und hofft, dass der andere die Gedanken lesen kann.

6. Der Mittelfinger – Die internationale Sprache der Unhöflichkeit

Beleidigend, unhöflich, universell verständlich. Der Mittelfinger wird vielleicht häufig während der Hauptverkehrszeit auf verkehrsreichen Autobahnen gezeigt.

7. Ehering? Ja – aber bitte auf dem richtigen Finger!

In Deutschland: Rechts.

In den USA: Links.

In beiden Fällen aber ein Symbol dafür, dass man jetzt für immer über Thermostate streitet.

8. Der Handschlag – Zwischen Business-Bonding und Street-Credibility

Deutsche begrüßen sich tendenziell formeller. Händeschütteln ist eine universelle Begrüßung im Geschäfts- und Privatleben. Dies gilt auch für formelle Anlässe in den USA. Historisch gesehen war der Händedruck in den USA eher eine Begrüßung zwischen Männern, doch heute ist es üblich, dass sich sowohl Männer als auch Frauen im beruflichen und sozialen Umfeld die Hand geben. In manchen sozialen Situationen wartet ein Mann jedoch möglicherweise immer noch darauf, dass eine Frau den Händedruck initiiert.

Die Gepflogenheiten beim Händeschütteln können in den USA je nach ethnischem und kulturellem Hintergrund stark variieren. Dies gilt insbesondere für afroamerikanische Gemeinschaften, bei denen es sich um aufwendigere Rituale mit Händeschütteln handeln kann, die Außenstehenden möglicherweise ungewohnt sind. Zum Händeschütteln kann sogar eine Umarmung oder ein Klaps auf den Rücken gehören. Dies drückt oft Kameradschaft und Respekt aus. Weiße College-Studenten imitieren dies gerne – mit unterschiedlichem Erfolg und maximaler Verlegenheit. Andererseits ist ein typisch amerikanischer, fester Händedruck in vielen Fällen bei allen Ethnien üblich.

Im Zweifelsfall respektvoll sein: Im Zweifelsfall sind eine höfliche Begrüßung und ein kurzes Nicken oder ein sanfter Händedruck (falls angeboten) in der Regel die beste Lösung. Denk daran, dass manche Menschen einen Händedruck oder eine Umarmung aus religiösen oder kulturellen Gründen ablehnen. Dies sollte stets ohne Fragen respektiert werden.

9. Nicken – zwischen Zustimmung und deutscher Präzision

In den USA: Ein rhythmisches Kopfnicken – wie ein Wackeldackel auf Speed.

In Deutschland: Ein einziges, entschlossenes Nicken. Nicht mehr. Nicht weniger. Wer zweimal nickt, riskiert Missverständnisse – oder wird für emotional gehalten.

10. Gesichtsausdruck – Deutsche Mimik: „Subtil wie Morsezeichen“

In Deutschland kann selbst eine hochgezogene Augenbraue eine emotionale Achterbahnfahrt sein.

Amerikaner hingegen sprechen mit dem ganzen Körper. Wenn ein typischer Amerikaner spricht, kann das so wirken, als würde er einen TED-Talk über die Raumfahrt halten.

Das Fazit des internationalen Etikette-Komitees mit Sitz in Bielefeld (angeblich):

Wenn du unsicher bist, wie du dich verhalten sollst, tu einfach, was immer funktioniert: Lächeln, Nicken, nicht mit dem Finger zeigen.

Und bitte – wirklich, ganz ernst gemeint – mach auf gar keinen Fall den einarmigen „römischen Gruß“, den Elon Musk im Januar 2025 in einem Anfall von Digitaldiktatoren-Theater seinem Kumpel Trump gewidmet hat. Liebe Leserinnen und Leser, eine kleine Faustregel:

Wenn eure Geste wie aus den 1930er-Jahren aussieht – lasst es bleiben. Lasst es einfach sein.

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