Willkommen im faszinierenden Universum der trump‘schen Sprache, auch liebevoll als „Trumpglisch“ bezeichnet. Hier drehen sich Worte im Kreis, der Satzbau gerät ins Stolpern, und die Logik wagt halsbrecherische Kunststücke – natürlich ohne Sicherheitsnetz, denn das wäre ja viel zu vernünftig.

Es beginnt alles mit einem Buch. Nein, nicht Faust. Auch nicht Harry Potter. Sondern:

„Trump: The Art of the Deal“, erschienen 1987. Offiziell von Trump, de facto von Ghostwriter Tony Schwartz – ein Mann, der wahrscheinlich heute noch jede Nacht aufwacht und denkt: „Was habe ich getan?“

Darin steht ein Satz, der in die Sprachgeschichte eingegangen ist wie der Berliner Flughafen in die Baugeschichte:


“People want to believe that something is the biggest and the greatest and the most spectacular. I call it truthful hyperbole. It’s an innocent form of exaggeration—and a very effective form of promotion.” 

[Menschen wollen glauben, dass etwas das Größte, Beste, Spektakulärste ist. Ich nenne das truthful hyperbole – eine harmlose Form der Übertreibung. Und sehr effektiv.]

Wahrheitsgemäße Übertreibung.

Also sowas wie: „Ich bin kein Lügner – ich bin ein emotionaler Realitätskünstler.“

Die Grundregel von Trumpglisch:

Wenn du etwas mit genügend Überzeugung sagst, ist es wahr.

Ganz egal, ob es sich um ein Rindersteak oder einen Atomwaffenvertrag handelt.

„The best ever.“

Was „best“ ist? Völlig wurscht.

Der Kontext? Optional.

Die Fakten? Überbewertet.

Und jetzt kommen wir zu den Deutschen.

Die deutsche Sprache und Kultur liebt Fakten, Fakten, Fakten. Und wenn möglich, bitte mit Fußnote und Quellenangabe. In Deutschland ist Untertreibung charmant, und Präzision Pflicht. Trumpglisch hingegen ist simpel, laut, repetitiv – und könnte für Deutsche klingen, als hätte jemand den Duden angezündet und wild in den Flammen getanzt.

Die permanente Wiederholung und das vereinfachte Vokabular des Trumpglisch wirken auf deutsche Ohren etwa so elegant und differenziert wie eine Tuba auf einer Beerdigung. Deutsche könnten es als herablassend empfinden – oder schlicht als Zeichen mangelnder Intelligenz. Und genau hier entsteht die kulturelle Verwirrung:

In den USA präsentieren sich viele intelligente Menschen absichtlich einfach und volksnah. Trump dagegen – mit bestenfalls durchschnittlicher Intelligenz ausgestattet – erklärt sich selbst zum Multitalent und Genie. Das ist kultureller Kontext vom Feinsten.

Ein Highlight seiner sprachlichen Karriere:

In einem legendären Interview mit der Sendung „60 Minutes“ wurde Trump während seines Präsidentschaftswahlkampfs gefragt, ob er demütig sei. Darauf antwortete er völlig ernsthaft:

„Ich denke, ich bin tatsächlich demütig. Viel demütiger, als Sie verstehen würden.“

Einen Moment innehalten, bitte. Das muss man erst einmal wirken lassen. Demut ist also neuerdings ein Wettbewerb. Ich bin demütiger als du. Wahrscheinlich sogar der aller-demütigste Mensch auf Erden.

Fazit:

Trump hat es geschafft, sein Publikum gleichermaßen zu faszinieren und zu verwirren, indem er sprachlich einen Balanceakt vollzieht, bei dem Wahrheit und haarsträubende Verschwörungstheorien fröhlich Ringelpiez tanzen.

Das emotionale Feuerwerk, die informelle Ausdrucksweise, all diese trump’schen Stilmittel könnten in der formal orientierten deutschen Kultur schnell wirken, als hätte man jeglichen Sinn für Anstand und Sachlichkeit verloren.

Deshalb ein gutgemeinter Rat an alle Deutschen:

Probiert Trumpglisch niemals selbst aus.

Wirklich, niemals.

Außer vielleicht auf einer Karnevalssitzung – aber dann bitte nur unter Aufsicht eines Erwachsenen.

(Dieser neue Essay war der beste aller Zeiten. Das sagen alle. Sehr kluge Leute. Glaub mir.)

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