Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Die Nachrichten aus den Vereinigten Staaten sind momentan… sagen wir mal: besorgniserregend kreativ. Und zwar nicht im Sinne von „Florida Man Accidentally Shot By Alligator He Was Wrestling In Waffle House Parking Lot“ – das ist Alltag.

Nein, wir reden hier von einer politischen Realität, die aussieht, als hätte man ChatGPT mit Red Bull gefüttert und ihm gesagt: „Schreib uns bitte ein Regierungsprogramm.“ Da Grok aber noch keine Energy Drinks verträgt, übernehme ich als Mensch diese undankbare Aufgabe und erkläre meinen deutschsprachigen Mitbürgern und Mitbürgerinnen, was da drüben gerade schiefläuft.
Es heißt oft: „America is a land of opportunity“ – Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Diese Aussage kommt in der Regel von Leuten, die entweder:
a) sich für ein Amt bewerben,
b) Immobilien in Florida verkaufen oder
c) Milliardäre sind, die erklären, warum ihre Raumfahrtfirma keine Steuern zahlen sollte.
Im Jahr 2016 nutzte ein Mann diese Gelegenheit: Donald J. Trump – ehemaliger Reality-TV-Star, mittelmäßiger Immobilienmogul, Wrestlemania-Gast und bekennender Goldklobrillenfreund. Und dieser Mann erklärte: „Ich bin hier, um die amerikanische Arbeiterklasse zu retten.“ Die Arbeiterklasse war irritiert, aber dachte sich: „Na gut, der wirkt wütend, und im Fernsehen hat er immerhin mal so getan, als könne er einen Konzern führen.“
Trump präsentierte sich als Retter der kleinen Leute – obwohl er seit Jahrzehnten ein offizielles Mitglied des New Yorker Eliteclubs für Männer mit sehr schlechten Krawatten war. Er ritt die Welle der Nostalgie zurück in eine erfundene Version der 1950er Jahre, in denen Amerika angeblich großartig war, und versprach, genau dorthin zurückzukehren: Make America Great Again.
In seiner zweiten Amtszeit – ja, wir sind immer noch in dieser Zeitschleife – ist Trump noch zorniger, noch weniger kontrolliert und noch stärker geneigt, politische Entscheidungen nach dem Prinzip „Was würde ein betrunkener C-Promi tun?“ zu treffen. Seine MAGA-Fans feiern das als taktische Genialität – endlich jemand, der gegen Freunde und Feinde gleichermaßen austeilt! Endlich jemand, der es dem belgischen Außenministerium mal so richtig zeigt! Der Rest der Welt sieht eher einen Mann, der die Fernbedienung für das Atomarsenal verloren hat.
Das Problem: Diese ganze MAGA-Idee basiert auf einem Missverständnis. Trump & Co glauben, dass Amerika ganz automatisch das Alphatier der Welt ist – so wie früher halt, direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, als Europa in Trümmern lag und Amerika die einzige intakte Fabrikhalle zwischen zwei Ozeanen war.
Was sie übersehen: Die Welt hat sich verändert. Andere Länder haben sich erholt, bauen jetzt selbst Autos, haben funktionierende Gesundheitssysteme, erschwingliche Universitäten und – Skandal! – Mülltrennung. Für MAGA-Amerikaner ist das alles Hexenwerk. In ihrer Vorstellung ist die Welt ein amerikanischer Highschool-Film, in dem sie immer der Quarterback sind. Und wenn sie es nicht mehr sind, muss irgendwas faul sein.
Die logische Folge: Mehr Hard Power! Mehr Flugzeugträger! Weniger Diplomatie! Denn Soft Power klingt für diese Leute wie ein neues Fensterputzmittel für Hausfrauen. Was sie wollen, ist Bulldozer-Diplomatie. Und am besten sofort.
Und jetzt wird es noch absurder.
Denn da ist noch diese andere Gruppe: Eine Bande exzentrischer Tech-Milliardäre, die aussieht, als wäre sie direkt aus einer schlechten Sci-Fi-Serie gefallen. Elon Musk, Peter Thiel, Marc Andreessen, Jeff Bezos – auch bekannt als die Techno-Feudalisten. Nicht zu verwechseln mit den „Demokratie-Fans“ oder den „Menschen mit funktionierenden Empathiezentren“.
Diese Herren haben erkannt: Wenn man genug Geld hat, muss man gar kein Geld mehr verdienen – man kann einfach die ganze Gesellschaft so umbauen, dass sie einem gehört. Sie träumen von einem vollständig privatisierten Überwachungsstaat, regiert von Algorithmen, programmiert von Nerds mit libertärer Kindheitstraumatisierung.
Und wer ist ihr Mann fürs Grobe? Richtig, Donald Trump. Denn Trump ist der Einzige, der bereit ist, das Regelbuch zu verbrennen, während er Golf spielt und „You’re fired!“ brüllt.
Ihr gemeinsamer Feind: Der Staat. Oder besser gesagt: ein funktionierender Staat. Trumps Albtraum ist ein Beamter, der „Nein“ sagt. Musks Albtraum ist ein Entwickler, der gewerkschaftlich organisiert ist und „CO₂-Fußabdruck“ buchstabieren kann.
Nehmen wir zum Beispiel den US-Dollar. Eine der beliebtesten Exportgüter der Vereinigten Staaten – gleich nach Popkultur, Waffen und fragwürdigen Diäten. Der Dollar ist seit Jahrzehnten die weltweite Reservewährung. Und US-Staatsanleihen gelten global als super sichere Anlage – also so sicher wie ein Bunker aus Beton, der in einem anderen Bunker steht, den wiederum eine Versicherung mit dreifacher Rückversicherung versichert hat.
Aber all das könnte ziemlich schnell zusammenbrechen, wenn jemand auf die geniale Idee käme, die USA mal so richtig schlecht zu managen. Spoiler: Passiert gerade.
Enter Crypto Currency.
Es begann mit einem Versprechen: Kryptowährungen sollten die Welt des Geldes revolutionieren. Tech-Milliardäre investierten Milliarden in spekulative Blockchain-Projekte. Das Ziel: ein digitaler Paradigmenwechsel, getragen von einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz.
Doch diese Akzeptanz blieb aus.
Der Normalbürger ließ sich nicht begeistern – zu abstrakt die Technik, zu volatil der Kurs.
Unter Präsident Joe Biden nahm zudem die regulatorische Kontrolle zu. Die einst als „disruptiv“ gefeierte Branche wurde zur Hochrisikozone. Nun ruhen die Hoffnungen vieler Tech-Fans und einfacher Multimillionäre auf einem Mann, der bereit zu sein scheint, die Uhr zurückzudrehen: Donald Trump. Im April 2025 kündigte die Trump-Administration an, die Durchsetzung von Krypto-Regulierungen zurückzufahren und eine für die Durchsetzung von Kryptowährungen zuständige Einheit aufzulösen.

Das Gleiche gilt für KI. Die “Tech Lords” haben zu viel investiert, zu wenig geliefert und haben Angst vor Regulierung. Um ein Platzen der Blase zu vermeiden, brauchen sie Subventionen, Verträge und Protektionismus – natürlich verpackt in Nationalismus.
Aber hier kommt der Clou: Sowohl Kryptowährungen als auch KI sind unersättliche Energiefresser. Ihr Überleben hängt davon ab, Umweltvorschriften zu beseitigen und die Klimapolitik zu torpedieren. Deshalb löst schon die Erwähnung des Klimawandels im Silicon Valley Alarmglocken aus – es sei denn, sie wird genutzt, um „grüne“ KI oder spekulatives Geo-Engineering-Schlangenöl zu verkaufen.
Chinas rasante Fortschritte in den Bereichen Halbleiter, grüne Technologien und KI haben die Panik nur noch verstärkt. Die Techno-Feudalisten drängen also auf einen Ultra-Protektionismus im Trump-Stil mit himmelhohen Zöllen auf chinesische Importe –außer, praktischerweise, auf die spezifischen Komponenten, die sie benötigen, um ihre Rechenzentren am Laufen zu halten. Smartphones und Mikrochips sind davon ausgenommen, aber Kleidung und verschreibungspflichtige Medikamente? Bis zur Unkenntlichkeit besteuert.

In der Zwischenzeit ist der „Tiefe Staat“ ein gemeinsamer Feind. Trump ärgert sich über Beamte im höheren Dienst, weil sie ihm nicht loyal genug sind und ihn möglicherweise ausbremsen. Tech-Barone ärgern sich über ihre Mitarbeiter, weil diese sich organisieren, Klimaschutzmaßnahmen oder sogar bessere Arbeitsbedingungen fordern. Sowohl Trumps Team als auch die Tech-Lords wollen öffentliche Einrichtungen aushöhlen – nicht, um sie zu reparieren, sondern um sie zu neutralisieren. Wenn Universitäten Aktivisten statt Programmierer hervorbringen, dann ist es vielleicht an der Zeit, sie ebenfalls zu untergraben und ihnen die Mittel zu entziehen.
In der Reagan-Ära träumte die Rechte davon, die Regierung so zu verkleinern, dass sie in einer Badewanne ertrinken könnte. Die heutige, von Trump geführte Rechte will sie in ein Venture-Capital-finanziertes Start-up ohne Personalabteilung verwandeln. Dennoch sind wir Amerikaner vor allem eines: optimistisch. Wir glauben, dass sich am Ende die Vernunft durchsetzen wird, die Wahrheit triumphieren wird und die Regierung vielleicht – aber nur vielleicht – nicht an einen Quanten-Supercomputer ausgelagert wird … obwohl es angesichts der Ergebnisse der letzten Wahlen, der Untätigkeit in Bezug auf Klimawandel, Krieg, Armut, Entwaldung und Plastikmüll vielleicht gar nicht so viel schlimmer wäre.




